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Dienstzeitende

Von der Bundeswehr zur Polizei oder zum Zoll: Was mit deinen Versicherungen passiert

7 Minuten Lesezeit

Gehört zu Station 7 deines Dienstwegs: Dienstzeitende

Wer nach der Bundeswehr zur Polizei, zum Zoll oder in eine andere Beamtenlaufbahn wechselt, bleibt im öffentlichen Dienst. Viele Verträge können weiterlaufen. Sie passen aber oft nicht mehr genau: Die Dienstunfähigkeit misst sich an einem neuen Dienst, die Krankenversicherung wechselt vom Truppenarzt zu Heilfürsorge oder Beihilfe, und in den ersten Jahren gibt es eine Lücke, die du kennen solltest.

Weinrotes Barett und dunkelblaue Dienstmütze auf einem Holztisch, daneben eine Mappe, ein Füller und eine Tasse Kaffee

Dieser Beitrag zeigt, was sich beim Wechsel rechtlich ändert, wo die Lücke liegt und welche Verträge du vor dem ersten Diensttag prüfst. Er beschreibt die Regeln des Bundes, also Bundespolizei und Zoll. Für die Polizei der Länder gilt Landesrecht.

Was sich beim Wechsel ändert

Soldaten auf Zeit mit einer festgesetzten Dienstzeit von zwölf oder mehr Jahren, die im unmittelbaren Anschluss Beamte werden wollen, bekommen auf Antrag einen Eingliederungsschein (§ 13 Abs. 1 SVG). Wer vorher wegen Dienstunfähigkeit entlassen wird, bekommt ihn, wenn er mindestens vier Jahre gedient hat. Wer ohne Eingliederungsschein Beamter oder Tarifbeschäftigter werden will, kann unter denselben Voraussetzungen einen Zulassungsschein beantragen (§ 13 Abs. 2 SVG). Für den Polizeivollzugsdienst hilft der Eingliederungsschein wenig: Dort gilt der Stellenvorbehalt nicht (§ 14 Abs. 2 SVG).

Brauchst du erst eine Laufbahnausbildung, etwa bei Bundespolizei oder Zoll, beginnst du als Beamter auf Widerruf im Vorbereitungsdienst (§ 6 Abs. 4 BBG). In dieser Zeit kannst du jederzeit entlassen werden (§ 37 Abs. 1 BBG). Danach folgt die Probezeit. Sie dauert mindestens drei Jahre, eine gleichwertige Tätigkeit kann sie verkürzen (§ 11 Abs. 1 BBG). Erst danach wirst du Beamter auf Lebenszeit.

Ziel Recht Krankenversorgung Besonderheit
Bundespolizei, Vollzugsdienst BBG, BPolBG Heilfürsorge (§ 70 Abs. 2 BBesG) Polizeidienstunfähigkeit, Altersgrenze 62
Zoll und andere Bundesbehörden BBG Beihilfe plus private Krankenversicherung allgemeine Dienstunfähigkeit
Polizei eines Landes Landesrecht je nach Land im Einzelfall prüfen
Zivile Wirtschaft Arbeitsrecht gesetzlich oder privat Berufsunfähigkeit statt Dienstunfähigkeit

Die Lücke in der Probezeit

Als Beamter auf Lebenszeit wirst du bei Dienstunfähigkeit in den Ruhestand versetzt, wenn du nicht anderweitig verwendbar bist (§ 44 Abs. 1 BBG). In der Probezeit ist das anders. Wirst du ohne dienstliche Ursache dienstunfähig, kannst du entlassen werden (§ 34 Abs. 1 Nr. 3 BBG). Die Versetzung in den Ruhestand ist dann nur eine Kann-Entscheidung (§ 49 Abs. 2 BBG). Nur wenn die Dienstunfähigkeit auf den Dienst zurückgeht, musst du in den Ruhestand versetzt werden (§ 49 Abs. 1 BBG).

Dazu kommt die Wartezeit. Ein Ruhegehalt gibt es grundsätzlich erst nach fünf Dienstjahren (§ 4 Abs. 1 BeamtVG). Für Bundesbeamte zählt deine Zeit als Soldat auf Zeit oder Berufssoldat dabei mit: Sie gilt als ruhegehaltfähig (§ 8 Abs. 1 BeamtVG) und wird in die Wartezeit eingerechnet (§ 4 Abs. 1 BeamtVG). Wer vor Ablauf von fünf Jahren wegen Dienstunfähigkeit entlassen wird, kann auf Antrag einen Unterhaltsbeitrag bekommen, einen Anspruch darauf gibt es nicht (§ 15 BeamtVG).

Für deine private Absicherung heißt das: Gerade in den ersten drei Jahren nach dem Wechsel trägt die Dienstunfähigkeitsversicherung am meisten. Wer sie mit dem Dienstzeitende kündigt, weil ja „wieder Beamter“, steht in der Probezeit ohne Schutz da.

Polizeidienstunfähig ist nicht dienstunfähig

Bei der Bundespolizei gibt es einen eigenen Maßstab. Polizeidienstunfähig ist, wer den besonderen gesundheitlichen Anforderungen des Polizeivollzugsdienstes nicht mehr genügt und sie voraussichtlich nicht innerhalb von zwei Jahren wiedererlangt (§ 4 Abs. 1 BPolBG). Das heißt nicht, dass du für jeden Dienst untauglich bist. Wer anderweitig verwendbar ist, wird nicht in den Ruhestand versetzt (§ 44 Abs. 1 BBG), sondern zum Beispiel in die Verwaltung.

Ob deine private Versicherung in diesem Fall zahlt, entscheidet ihr Wortlaut. Manche Verträge enthalten eine eigene Klausel für Polizeidienstunfähigkeit, viele nicht. Eine Dienstunfähigkeitsklausel, die für Soldaten formuliert ist, muss nicht automatisch für den Polizeidienst gelten. Frag das vor dem Wechsel schriftlich beim Versicherer nach.

Deine Verträge beim Wechsel

Dienstunfähigkeit und Berufsunfähigkeit

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung misst die Berufsunfähigkeit an deinem zuletzt ausgeübten Beruf (§ 172 Abs. 2 VVG). Nach dem Wechsel ist das der neue Dienst. Ein Berufswechsel gilt in der Berufsunfähigkeits- und Lebensversicherung nur dann als Gefahrerhöhung, wenn das im Vertrag ausdrücklich und in Textform vereinbart ist (§ 158 Abs. 1 VVG, § 176 VVG). Steht in deinen Bedingungen keine solche Vereinbarung, musst du einen gefährlicheren Dienst nicht melden. Steht dort eine, musst du ihn anzeigen (§ 23 VVG).

Ein Beispiel: Wer vom Stabsdienst zu einer Spezialeinheit der Polizei wechselt, hat ein deutlich höheres Risiko. Der Vertrag läuft weiter, die Frage ist, ob er für den neuen Dienst die passende Klausel hat und ob das Endalter zur neuen Altersgrenze passt. Bei der Bundespolizei treten Vollzugsbeamte mit 62 in den Ruhestand (§ 5 Abs. 1 BPolBG).

Unfallversicherung

In der Unfallversicherung gilt dieselbe Regel: Eine Änderung der Umstände ist nur Gefahrerhöhung, wenn es so vereinbart ist (§ 181 Abs. 1 VVG). Prüfe, ob dein Unfallvertrag Berufe in Gefahrengruppen einordnet. Ist ein Berufswechsel als Gefahrerhöhung vereinbart und sieht der Tarif für die höhere Gefahr niedrigere Leistungen vor, gelten diese einen Monat nach dem Wechsel (§ 181 Abs. 2 VVG). Melde den Wechsel deshalb, bevor ein Schaden passiert.

Krankenversicherung

Als Vollzugsbeamter der Bundespolizei bekommst du Heilfürsorge (§ 70 Abs. 2 BBesG). Beim Zoll und in der übrigen Bundesverwaltung bekommst du Beihilfe: 50 Prozent der Kosten, ab zwei berücksichtigungsfähigen Kindern 70 Prozent. Für Kinder beträgt der Satz 80 Prozent (§ 46 BBhV). Den Rest deckt in der Regel eine private Krankenversicherung.

Hast du während der Bundeswehrzeit eine Anwartschaft auf eine private Krankenversicherung gehalten, kannst du sie jetzt aktivieren, im Umfang, den die Anwartschaft sichert, ohne neue Gesundheitsprüfung. Wie das geht und welche Anwartschaft du hast, steht im Beitrag Kleine oder große Anwartschaft. Wer zur Bundespolizei geht, hat im aktiven Dienst Heilfürsorge. Im Ruhestand bekommen Versorgungsempfänger Beihilfe von 70 Prozent (§ 46 Abs. 2 BBhV), der Rest muss dann privat versichert sein. Kündige die Anwartschaft deshalb nicht vorschnell.

Wenn es in die zivile Wirtschaft geht

Ohne Beamtenstatus gibt es keine Dienstunfähigkeit mehr, nur noch Berufsunfähigkeit. Eine reine Dienstunfähigkeitsklausel hilft dir dann nicht mehr, die Berufsunfähigkeitsleistung im Vertrag schon. Als Angestellter bist du bis zur Jahresarbeitsentgeltgrenze gesetzlich pflichtversichert, darüber hast du die Wahl (§ 5 Abs. 1, § 6 Abs. 1 SGB V). Beides erklären unsere Seiten zur Krankenversicherung und zur Dienstunfähigkeit. Die Übergangsleistungen der Bundeswehr stehen im Beitrag Übergangsgebührnisse, die Weiterbildung im Beitrag Berufsförderungsdienst.

Häufige Fragen

Brauche ich als Polizist noch eine Dienstunfähigkeitsversicherung?

Gerade in der Probezeit. Wer ohne dienstliche Ursache dienstunfähig wird, kann als Beamter auf Probe entlassen werden (§ 34 BBG). Der Ruhestand ist dann nur eine Kann-Entscheidung (§ 49 Abs. 2 BBG). Prüfe, ob dein Vertrag Polizeidienstunfähigkeit abdeckt.

Was ist Polizeidienstunfähigkeit?

Bei der Bundespolizei ist polizeidienstunfähig, wer den besonderen gesundheitlichen Anforderungen des Vollzugsdienstes nicht mehr genügt und sie voraussichtlich nicht innerhalb von zwei Jahren wiedererlangt (§ 4 BPolBG). Wer anderweitig verwendbar ist, bleibt im Dienst, zum Beispiel in der Verwaltung.

Zählt meine Zeit bei der Bundeswehr für die Beamtenpension?

Für Bundesbeamte gilt die Zeit als Soldat auf Zeit oder Berufssoldat als ruhegehaltfähig (§ 8 BeamtVG). Sie wird auch in die Wartezeit von fünf Jahren eingerechnet (§ 4 BeamtVG). Für Landesbeamte gilt das jeweilige Landesrecht.

Muss ich meiner Versicherung den Wechsel zur Polizei melden?

In der Berufsunfähigkeitsversicherung nur, wenn ein Berufswechsel im Vertrag ausdrücklich als Gefahrerhöhung vereinbart ist (§ 158 VVG). In der Unfallversicherung gilt dasselbe (§ 181 VVG), dort ist diese Vereinbarung aber üblich: Die Musterbedingungen des Versichererverbands GDV verlangen, einen Berufswechsel unverzüglich mitzuteilen. Melde den Wechsel also.

Wie bin ich beim Zoll krankenversichert?

Über die Beihilfe des Bundes, die 50 Prozent der Kosten trägt, ab zwei Kindern 70 Prozent (§ 46 BBhV). Den Rest versicherst du in der Regel privat. Eine Anwartschaft aus der Bundeswehrzeit erleichtert den Einstieg.

Was ist ein Eingliederungsschein?

Ein Nachweis, der Soldaten auf Zeit mit zwölf oder mehr Dienstjahren den Weg ins Beamtenverhältnis öffnet, für den ihnen Stellen vorbehalten werden (§§ 13, 14 SVG). Er wird auf Antrag erteilt. Für den Polizeivollzugsdienst gilt dieser Vorbehalt nicht (§ 14 Abs. 2 SVG).

Vor dem ersten Diensttag

Wir lesen deine Verträge gegen den neuen Dienst und sagen dir, was weiterlaufen kann, was angepasst werden muss und wo in der Probezeit eine Lücke bleibt.

Wenn wir deine Anfrage annehmen, ist die Beratung für dich kostenfrei. Im Falle eines Abschlusses werden wir von der Versicherungsgesellschaft vergütet. Du zahlst denselben Beitrag wie bei einem direkten Abschluss – ohne Aufschlag.

Rechtsstand: 27.09.2026, Soldatenversorgungsgesetz, Bundesbeamtengesetz, Bundespolizeibeamtengesetz, Beamtenversorgungsgesetz, Bundesbesoldungsgesetz, Bundesbeihilfeverordnung, Versicherungsvertragsgesetz. Regeln der Länder für Landesbeamte sind nicht dargestellt. Angaben ohne Gewähr; maßgeblich sind die Bedingungen deiner Verträge und die Entscheidung der zuständigen Stellen.

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